Die Krankenversicherungssysteme von Deutschland, Frankreich und Schweiz im Vergleich

Die Krankenversicherungssysteme von Deutschland, Frankreich und Schweiz stimmen darin überein, dass dort jeder Bürger krankenversichert sein muss. Nur die Wege unterscheiden sich. Während es in der Schweiz nur eine gesetzlich vorgeschriebene Grundversicherung gibt, herrscht in Deutschland eine Zwei-Klassen Medizin. In Frankreich gibt es wiederum neben einer allgemeinen Krankenversicherung viele kleinere spezielle Krankenkassen.

krankenversicherung in europa

Das Krankenversicherungssystem in Deutschland

In Deutschland gilt eine Versicherungspflicht für die Krankenversicherung. Dabei gibt es zwei verschiedene Systeme, für die sich die Deutschen entscheiden können: die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) und die private Krankenversicherung (PKV). Die PKV steht dabei jedoch nicht jedem offen. Arbeitnehmer dürfen sich erst privat krankenversichern, sobald ihr Bruttoeinkommen eine bestimmte Höhe erreicht hat.
Diese Grenze macht nicht nur den Wechseln in die private Krankenversicherung schwierig, sondern auch den Wechsel von der PKV in die GKV. Nur wenn das Gehalt geringer ausfällt als die Grenze vorschreibt, wird der Versicherte wieder versicherungspflichtig und muss sich eine gesetzliche Krankenkasse suchen. Privatversicherte Selbständige müssen hingegen unabhängig von ihrem Einkommen eine versicherungspflichtige Tätigkeit aufnehmen, um in die GKV wechseln zu können. Generell ist der Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung an eine Altersgrenze gebunden. Ab dem 55. Lebensjahr ist dieser nahezu unmöglich.
Die Leistungen der GKV sind größtenteils festgeschrieben. Die Beiträge orientieren sich an der Höhe des Einkommens, wobei sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Kosten teilen. Sofern die gesetzlichen Krankenkassen jedoch einen Zusatzbeitrag erheben, muss dieser allein vom Kassenpatienten gezahlt werden.
In der PKV können sich Versicherte die Leistungen individuell zusammenstellen. Der Beitrag wird einkommensunabhängig erhoben und richtet sich nach unterschiedlichen Faktoren wie Alter und Gesundheitszustand. Anders als in der GKV muss jedes Familienmitglied eigenständig versichert werden.
Neben der Pflichtversicherung können die Deutschen ihren Versicherungsschutz mit freiwilligen Krankenzusatzversicherungen aufstocken. Besonders beliebt sind dabei die Zahnzusatzversicherungen, da die gesetzlichen Kassen die Leistungen bei Zahnersatz in den letzten Jahren stark gekürzt haben.
Allgemeinmedizin schweiz

Das Krankenversicherungssystem in der Schweiz

Auch in der Schweiz ist die Krankenversicherung obligatorisch. Dabei gibt es eine Grundversicherung. Doch obwohl die Leistungen bei allen Versicherern gleich sind, variieren die Krankenkassenprämien in der Schweiz stark. Diese sind allein vom Versicherten zu zahlen und sind abhängig von Alter, Wohnort und Höhe der Franchise. Der letztgenannte Posten ergibt sich, weil sich die Schweizer in dieser Form pauschal an den Behandlungskosten beteiligen müssen. Gegebenenfalls kommt noch eine prozentuale Selbstbeteiligung dazu. Hier unterscheiden sich das deutsche und schweizerische Krankenversicherungssystem, denn die gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland sieht keine pauschale Beteiligung an den Behandlungskosten vor, sofern diese im Leistungskatalog vermerkt sind.
Während es in Deutschland die GKV-Familienversicherung gibt, die eine kostenlose Mitversicherung von Ehepartner und Kindern bis zu einem bestimmten Einkommen bzw. Alter ermöglicht, müssen die Schweizer für jedes Familienmitglied eine Krankenversicherung abschließen. Zudem entscheiden sich viele von ihnen für eine der vielen freiwilligen Zusatzversicherungen. Sie werden in solche für stationäre und solche für ambulante Versicherungen unterschieden. Besonders gefragt ist wie in Deutschland die Zusatzversicherung für Zahnbehandlungen. Denn diese werden in der Schweiz nur selten übernommen.
Krankenversicherung in Frankreich

Das Krankenversicherungssystem in Frankreich

In Frankreich stellt die Krankenversicherung eine Säule der sozialen Sicherung dar. Rund 80 Prozent der Franzosen sind dabei Mitglied der allgemeinen staatlichen Krankenversicherung, die „Régime général d‘assurance“ genannt wird. Daneben gibt es spezielle Krankenkassen für Landwirte („Mutualité sociale agricole“), Selbständige („Caisse Nationale d‘Assurance Maladie des Professions Indépendantes“), Krankenversicherung für Senioren (Muteuelle Senior) und weitere Berufsgruppen. Die Beiträge für die französische Krankenversicherung sind wie in Deutschland abhängig vom Einkommen, wobei jedoch der Arbeitgeber einen wesentlich größeren Anteil der Prämie übernimmt.
Daneben kann auch in Frankreich freiwillig eine Zusatzversicherung abgeschlossen werden. Ab dem 1. Januar 2016 tritt jedoch die betriebliche Krankenzusatzversicherung als weiterer verpflichtender Baustein in Kraft. Die sogenannte „Mutuelle d’entreprise“ muss Angestellten dann von ihrem Arbeitgeber angeboten werden. Während sich die Beiträge der individuellen Krankenzusatzversicherungen am Alter und Gesundheitszustand orientieren, ist dieser bei der betrieblichen Zusatzversicherung für alle Mitarbeiter gleich.